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Die Architektur

Preußische Baukunst

Das Brandenburgische Haupt- und Landgestüt mit seinem schloßartigen Land-
stallmeisterhaus im Hauptgestüt gilt heute als Kleinod preußischer Baukunst. Die Stallungen wurden nach modernsten Erkenntnissen gebaut, hell und gut belüftet, Fußboden aus Klinkersteinen mit Ablaufrinnen.

In klassizistischem Stil entstanden die durch eine lange Allee verbundenen Gestüte

Hier: Plan des Hauptgestüts

Das Haupt- und Landgestüt Neustadt (Dosse) besteht aus zwei Gestütsanlagen, dem zur Stutenaufzucht und -haltung gedachten Hauptgestüt (Friedrich-Wilhelm-
Gestüt) und dem der Hengsthaltung vorbehaltenen Landgestüt (Gestüt Lindenau). Beide durch eine ein Kilometer lange vierreihige Allee miteinander verbundenen Gebäudeensemble wurden Ende des 18., Beginn des 19. Jahrhunderts im klassizistischen Baustil errichtet. Sie spiegeln auf der einen Seite die Pracht der Zeit, anderseits aber auch die Zweckmäßigkeit der Komplexe wieder.

Auf Order König Friedrich Wilhelm II. wurde Carl Graf von Lindenau im Jahre 1788 mit der Errichtung einer Pferdezuchtstätte zur Sicherung der Versorgung der preußischen Armee mit Pferden und für den Verkauf ins Ausland beauftragt. Unter der Planung von Graf von Lindenau und Baumeister Ephraim Wolfgang Glasewald entstanden zwei rechteckige Höfe, die in idealer Weise die Leitideen konventioneller Architekturtheorie für eine mustergültige Gutswirtschaft verkörpern.

Hauptgestüt

Die Organisation der Gebäude auf dem Hauptgestüt folgt dem klassischem Schema eines idealen ländlichen Gutshofs. Im Gegensatz zur barock-absolutistischen Baukunst, liegt aber keine Trennung von Wirtschaftshof und Herrenhaus vor, sondern alle Gebäude bilden entsprechend den Mustern ländlicher Hofanlagen eine Einheit.

Die östliche Begrenzung des Hofes bildet das heutige Landstallmeisterhaus und entspricht typologisch einem Corps de logis (Bauform aus franz. Palastbau des 17. und 18. Jh.). Der zweigeschossige völlig symmetrische Mittelbau wird von zwei ein-
geschossigen Seitenflügeln (alle mit Mansardwalmdach) und zwei eingeschossigen Seitengebäuden mit Satteldächern gesäumt. Auf dem Dach des Mittelhauses tront ein Dachreiter und Uhr. Hier wohnte ursprünglich der Gestütsstallmeister im Unter-
geschoß, der Oberstallmeister von Lindenau im hofseitigen Teil des ersten Stockes. Zum Park hin lagen die Räumlichkeiten des Königs. In den Seitenflügeln waren die Wohnungen des Gestüts- und des Beschälwärters untergebracht. An den Längsseiten des Hofes befinden sich nach Süden und Norden die mit Krüppelwalmdächern versehenen eineinhalbgeschossigen Stutenstallungen. Am Westende des Innenhofes liegen links und rechts zwei zweieinhalbgeschossige Offiziershäuser, dazwischen der Fohlenstall. Der Innenhof wird von einer von Linden gesäumten Achse durchzogen und beheimatete Reitbahn und Auslauf für die Pferde.

Alle Gebäude wurden nach dem neuesten Stand der Kenntnisse über die Pferde-
haltung errichtet.

Auf diesem Gestütskomplex findet man herrschaftliche Prachtbauten mit gleichzeitig ländlicher Schlichtheit als ästhetisches Prinzip, sowie mustergültige Funktionalität bezüglich der Technik von Gestüten.

Landgestüt

Auch hier bilden die Gebäude einen rechteckigen - mit Reitbahn und Auslauf versehenen - Innenhof. Das am Nordende des Hofes gelegene zweigeschossige Haupthaus ist ein kompaktes, massives Gebäude. Im Dachbereich der Mittelachse befindet sich eine Art Ädikula mit einer Uhr und einem Geläut. Dieses Gebäude war Wohnsitz des Landstallmeisters und von Unteroffizieren. Die schlichte Fassade erinnert eher an Kasernengebäude aus der Zeit. Auch die sich im Osten und Westen anschließenden einstöckigen und mit Krüppelwallmdächern versehenen Stallgebäude sind sehr viel schlichter als im Hauptgestüt. Dem Wohnhaus gegenüber schloss eine Reitbahn und ein weiterer Stall das Ensemble ab.

„Schlichtheit und Sparsamkeit“ prägten die Bauten der beiden Gestüte.